32. Balzer Cup 2004
Olypisch soll es nicht werden
Zum 32. Balzer-Cup kamen Mannschaften aus ganz Deutschland nach Lauterbach - Ein kniffeliges Spiel
Martin G. Günkel LAUTERBACH. Nach kurzer Zeit wird es richtig kalt unter den Füßen, wenn man morgens kommt, um ein paar Fotos zu machen und nicht an alles gedacht hat. Schnell wird einem klar, warum Eisstockschützen so schöne dicke Wanderschuhe tragen, wenn sie acht Stunden und länger auf dem Eis stehen. So wie am Wochenende beim 32. Balzer-Cup in der Lauterbacher Eissporthalle, zu dem der VERC Mannschaften aus ganz Deutschland eingeladen hatte. Acht Stunden sind eine lange Zeit, doch es scheint so, als ob den Eisstockschützen ihr Spiel so richtig Spaß macht. Sie sind ganz bei der Sache. Davon sollte man ja auch ausgehen, aber ganz ehrlich: Für den Betrachter ist es eher eine langweilige Angelegenheit. Das erklärt auch Manfred Grüner, der beim Lauterbacher VERC für das Eisstockschießen zuständig ist. "Eisstockschießen ist dann eine spanndende Angelegenheit, wenn man es selber macht", so Grüner. Sein Kollege Martin Heß bestätigt das.
In der Tat ist es ein etwas kniffeliges Spiel: Zwei Mannschaften mit jeweils vier Schützen treten gegeneinander an. Jeder von ihnen hat einen Stock. In einer bestimmten Entfernung (auf der anderen Seite der Eisfläche) ist ein markiertes Rechteck (6x3 Meter), in dessen Mitte ein puckartiges Gebilde liegt: die Daube. Es wird von einer Standvorrichtung aus geschossen, oft eine Gummiplatte, auf der man nicht so schnell ausrutscht. Der erste Schütze einer Mannschaft setzt seinen Eisstock und versucht, möglichst nah an die Daube heranzukommen.
Anschließend ist ein Schütze der gegnerischen Mannschaft an der Reihe. Er muss besser setzen als der erste Schütze - ist er "nur" genauso gut, dann zählt sein Schuss nichts. Er hat drei Möglichkeiten: Entweder besser zu setzen oder den Stock des Gegners aus dem Feld zu schießen oder mit der Daube zu spielen. Das bedeutet nichts anderes, als dass versucht wird, die Daube zu verschieben, weg vom Eisstock des Gegners. Maximal neun Punkte kann die bessere Mannschaft erreichen: zwei pro besser gesetztem Eisstock und noch einen für die gewonnene Kehre (so heißt ein Spielabschnitt).
Es gibt nur auf die Eisstöcke Punkte, die sich am Stück um die Daube herum gruppieren. Sind etwa nur drei von einer Mannschaft am nächsten an der Daube gelegen, und kommt dann ein Stock der Gegner, so ist der vierte Stock der erfolgreichen Mannschaft wertlos. Punkte gibt es nur für die Sieger, die Verlierer einer Kehre bekommen keinen einzigen.
Nun zu den Kehren: Ein Spiel besteht aus sechs dieser Durchläufe, am Ende werden die Punkte addiert. Zwei Mannschaften spielen zweimal gegeneinander, damit jede einmal den Anfang gemacht hat. Ein Spiel dauert um die 30 Minuten. Bei 17 Mannschaften kommt da schon einiges zusammen. Wird im Mix gespielt, also mit zwei Damen und zwei Herren in der Mannschaft, dann dürfen nur 13 Mannschaften insgesamt ins Turnier gehen, denn Frauen dürfen weniger Spiele spielen als Männer.
"Eisstockschießen ist
dann eine spanndende Angelegenheit, wenn
man es selber macht"Manfred Grüner (VERC Lauterbach)Bliebe da noch die Frage, wie genau ein Eisstock aufgebaut ist. Er besteht aus dem Griff, dem Körper und der Laufsole, die austauschbar ist. An ihrer Farbe kann ein Schütze erkennen, wie hoch ihr Widerstand ist. Je nach dem, was er vor hat, wählt er einen anderen Widerstand.
Eisstockschießen wird übrigens das ganze Jahr betrieben. Im Sommer wird auf Asphalt oder Beton gespielt, natürlich mit anderen Laufsolen als auf Eis. Somit ist eine Eisstockmannschaft das ganze Jahr unterwegs, denn kommt eine Mannschaft zu Besuch, gehört ein Gegenbesuch unbedingt dazu. Eisstockschützen kennen sich untereinander, und im Laufe der vielen Spiele, die man so miteinander austrägt, werden Freundschaften geknüpft. Alle Schützen, die am 32. Lauterbacher Balzer-Cup beteiligt waren, sind schon einmal in Lauterbach gewesen. Die Hanoveraner, so erklären Martin Heß und Manfred Grüner, melden sich immer schon für das nächste Jahr mit zwei Mannschaften an.
Übrigens sind die beiden VERC-Mitglieder dagegen, dass das Eisstockschießen vielleicht zur olympischen Disziplin werden soll: "Die Kameradschaft steht für uns im Mittelpunkt, und deshalb würden wir es nicht begrüßen, wenn auf einmal zu sehr auf die Ergebnisse geschielt würde." Jeder ab 14 Jahren kann Eisstockschießen betreiben. Wichtig dabei ist nur eine gewisse Ruhe und Konzentration. Ein Eisstockschütze pendelt erst eine Zeitlang, um sich zu konzentrieren. Dann schickt er seinen Eisstock los. Interessierte können mittwochs um 19.45 Uhr beim VERC in der Eissporthalle vorbeischauen und es einmal selbst versuchen.
Gewonnen haben am Wochenende übrigens die Herren vom EC Sonne Bruck. Im Mix hat Eintracht Frankfurt den ersten Platz erreicht. Der VERC selbst hat nicht teilgenommen, da er seinen Gästen den Vortritt lassen wollte. Seit Jahren sind immer genug Gastmannschaften da, um die Startplätze mit ihnen auszufüllen.
Quelle: Lauterbacher Anzeiger 02.11.2004

Siegerliste Herren

Siegerliste Mixed
